Maik Pevestorff

"… an Schönes denken …den Glauben an sich selbst wiederfinden."

Theater als kulturelle Bildungsmöglichkeit, ist heute bei einigen Menschen leider nur noch eine Randerscheinung. Dabei gibt es Menschen, die für das Theater und die schauspielerische Schaffenskraft eine unglaubliche Leidenschaft hegen.

Maik Pevestorff ist solch ein Mensch...

Mit seinen zahlreichen Projekten begeisterte er bereits unzählige Menschen, egal ob nun als Regisseur, Autor oder Schauspieler.

Maik ist außerdem Teil der Jury für die Vergabe des JRM-Lenz-Preises (Vergabe durch: Theaterhaus Jena und Jenakultur), sowie Mitglied im Organisationsteam des Kurzfilmproduktionsfestivals "KinoDynamiqueJena" und dem Kurztheaterspektakel in Jena.

1. Denken Sie bitte an die erste Situation zurück, in der Sie erfolgreich waren. Was kommt Ihnen als erstes in den Sinn?

Ich glaube, die erste Theateraufführung vor fast 10 Jahren: Nach gut einem Jahr Probenzeit, mit einer verworfenen Stückidee, einem wechselhaften Ensemble, unsicheren Proben- und Aufführungsorten und relativer Ahnungslosigkeit, was Theater bedeutet. Oder positiv ausgedrückt: Unter Einsatz einer intuitiven Inszenierungsarbeit.

Das Interessante an diesem Weg, von der Gründung der Gruppe bis zur ersten Aufführung, waren die zahlreichen Richtungswechsel und das trotz ungeahnter Veränderungen, in Hinblick auf Vorgehensweise und Ziel, am Ende dennoch eine Produktion auf die Bühne kam.

2 . Was ist Ihre Definition von Erfolg?

Sich selbst und andere anregen, trotz Befürchtungen und Ängsten, sich auf Verunsicherungen einzulassen. Die vorbeschriebenen Pfade des Lebens selbst zu beschreiben.

3. Haben Sie sich für Ihren Erfolg an anderen Erfolgsmenschen orientiert? Wenn ja, an welchen?

Irgendwie hatte Theater einen Wert an sich, den ich gar nicht großartig hinterfragt habe. Dieser kam aus meinem familiären Umfeld oder aus einer allgemeinen Aufwertung von sogenannten Bildungsmenschen bzw. Künstlern und das, obwohl wir in Familie eigentlich nie oder kaum ins Theater gegangen sind.

Ich glaube aufbauend auf diese Ahnung, dass in der Idee "Theater" etwas Bedeutsames stecken könnte, habe ich mir ein Ideal konstruiert. Vielleicht konstruiere ich jetzt aber auch eine Erklärung für mein vergangenes Handeln. Wer weiß.

Aber ja, ich glaube schon, dass auch Erfolgsmenschen, Theatergruppen oder bestimmte Aufführungen für mich richtungsweisend waren. Diese haben ja aufgezeigt, dass so etwas wie Theater von anderen gesehen werden möchte und sogar beklatscht wird.

Das Geheimnisvollste und damit meine Neugierde am meisten befeuernde, war jedoch das Gerücht, dass der Prozess Theater selber zu machen, eine irgendwie nahezu magische Kraft in einem selbst und der Gruppe entfalten sollte, die diese Kulturtechnik/Kunst praktiziert.

Besonders prägend waren wahrscheinlich die Aufführungen im „piccolo-Theater“ in Cottbus. Dort fühlte ich mich als Zuschauer immer besonders nah dran.

Na ja, unter den SchriftstellerInnen gäbe es da wohl auch ein paar Vorbilder zu nennen, aber das ist eine lange Liste.

4. Welcher Gedanke motiviert Sie Ihr Ziel zu erreichen?

1. Ziel

Im Eigentlichen habe ich kein fixes Ziel. Alle Ziele sind vorläufige Orientierungspunkte. Mit jedem Schritt, mit jeder Entscheidung, die ich treffe, verändern sich die Bedingungen um mich herum und die beeinflussen wiederum mich und das Drumherum.

Viel mehr befinde ich mich in einem Schaffensprozess, der tief im Sozialen verankert ist, aber mit Luftwurzeln. Da kann ich manchmal gar nicht mehr eindeutig sagen: „Das habe jetzt ich getan oder das hat ein anderer getan bzw. erdacht“. Ob ich Subjekt oder Objekt bin, ist in diesem Prozess nicht immer klar zu entscheiden und das ist ein bisschen Magie.

2. Motivation

Mal sind es die Menschen, mal die Literatur, mal der Wunsch selbständig zu sein, mal mit anderen gemeinsam im „Kreativ-Sein“ aufzugehen, mal Intuition oder eine Suche nach dem angenehmen inneren Befinden, nach dem Wahren, Guten und Schönen.

Es ist die Teilhabe an einer großen Plastik des Gegenseitigen und Wechselseitigen. Aus dieser schaut man mal heraus, um das Ganze auszugsweise zu begutachten, um wieder daran herum zu formen, um dann wieder darin einzugehen, damit immer wieder das Eine im Anderen und schließlich im Ganzen aufgeht und dann daraus wieder als Einzelnes verändert auftaucht… Blubb… Blubb… Na da hab ich ja wieder was geschrieben… Da ist der Sinn wahrscheinlich in den Nebensätzen untergegangen!?

5. Gibt es Personen, die Sie inspirieren? Wenn ja, welche sind dies?

Theatermenschen im Allgemeinen, von Schauspielerinnen und Schauspielern bis zu den Beleuchterinnen und Beleuchtern. Eigentlich so gut wie jede Autorin oder jeder Autor, die bzw. den ich gelesen habe. Menschen aus meiner Familie.

Jeder Mensch, jede Regung, die in mein Bewusstsein dringt, kann mich inspirieren. Manchmal ist es ein Foto in der Zeitung, manchmal ein Gespräch bei einem Kaffee, manchmal eine Zigarette am Abend. Kommunikation ist gut, aber auch allein zu sein.

Ich würde meinen, diese ganze Sache mit der Inspiration ist harte Arbeit, der dem Subjekt einen anstrengenden Bewusstseinsmodus abnötigt und der einem eine radikale Offenheit für die Welt, die dem Guten, Schönen und Wahren vorausgeht, abverlangt. Und dann kommt irgendwann ein zufälliger Eindruck und plötzlich erkennt man einen Zusammenhang, der vorher nicht da war.

Maik Peves­torff (Foto: ©Chris­toph Worsch von Königs­söhne)

Maik Peves­torff (Foto: ©Chris­toph Worsch von Königs­söhne)

6. Welche Voraussetzungen müssen Ihrer Meinung nach geschaffen sein, um ein erfolgreiches Leben zu führen?

Man muss einatmen und ausatmen wollen, auch wenn die Luft dick ist.

7. Welche Dinge würden Sie für persönlichen Erfolg opfern?

1. Behauptung: Erfolgen opfere ich nichts. Ich denke nicht, dass Erfolg ein Götze ist, dem man zum Dienst verpflichtet ist. Angst ist da viel gefährlicher.

2. Behauptung: Und da muss ich ehrlich sein: Die Angst rührt daher, die MitstreiterInnen zu verlieren.

3. Behauptung: Also, ganz ehrlich: Es kann vorkommen, dass ich mich ins Hamsterrad sperre, damit andere mir nicht davonlaufen.

8. Haben Sie Angst, einmal nicht erfolgreich zu sein?

Manchmal schlägt es mir auf den Magen.

9. Wie gehen Sie mit Ängsten um, die im Bezug zum Erfolg stehen?

In Panik geraten. Zeit verschaffen. Mit Menschen treffen. Weiterarbeiten.

10. Wie gehen Sie mit Niederlagen um?

Variante a) Naja, Niederlagen? Jedes Projekt, das beendet wird, ist erstmal ein Erfolg. Das Schlimmste ist, wenn sich die Beteiligten vom Projekt distanzieren.

Variante b) Ins dunkle Loch stürzen. Zeit verschaffen. Mit Menschen treffen. Weiter arbeiten.

11. Wie können Sie sich in schweren Zeiten motivieren?

Das Schwierigste überhaupt ist wohl: Zurücktreten, Abstand nehmen, sich diesen Haufen angucken, in dem man gerade lebt… an Schönes denken …den Glauben an sich selbst wiederfinden.

12. Welche Erfahrung/en hat/haben Sie in Ihrem Leben so geprägt, dass Sie unbedingt erfolgreich sein wollten?

Die Erfahrung, ohnmächtig im unbewussten Dasein dahin zu vegetieren.

Maik Peves­torff (Foto: ©Chris­toph Worsch von Königs­söhne)

Maik Peves­torff (Foto: ©Chris­toph Worsch von Königs­söhne)

13.Wen­den Sie gewisse Stra­te­gien an, um eine schwie­rige Ent­schei­dung zu treffen?

Ja, ich entwickle Panik,…

…Dann versuche ich es mit Intuition und irgendwann, im günstigsten Fall, wäge ich ab, was für etwas und was gegen etwas spricht, um dann doch wieder, wenn es eng wird, drauflos zu entscheiden.

14. Welchen Tipp würden Sie Menschen mit auf den Weg geben, die erfolgreich sein wollen?

Anfangen. Weiterarbeiten. Pausen setzen. Etwas zu Ende bringen. Abstand nehmen. Mit anderen reden. Weitermachen.

15. Welches ist Ihr größtes Erfolgsgeheimnis?

Ich könnte deine Frage nur mit einer Lüge beantworten.

Vielen Dank Maik

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