Victor Gutierrez

...ist eine wahrer Meister der Kampfkunst.

Er begann sein Training bereits 1980 im Wing Tsun System und wurde von den besten Großmeistern der Kampfkünste wie z.B. K.R. Kernspecht, Bill Newmann und Leung Ting ausgebildet. Durch seine unbändige Leidenschaft für Wing Tsun, wurde er zu einem festen Bestandteil in der Kampfkunstwelt. Das Erreichen des 7. Meistergrades im Wing Tsun und 5. Meistergrades im Escrima beweist seinen Erfolg eindrucksvoll.

In seiner über 30- jährigen Kampfkunstkarriere bildete Victor unzählige Menschen im Wing Tsun aus. Angefangen vom Beginner bis zum Meister. Ihm gelang dabei stets der Spagat zwischen Meister, Mentor und Freund. Dies können nicht viele von sich behaupten.

1989 gründete Victor die Europäische Wing Tsun Organisation in Spanien und 4 Jahre später in Portugal. 2005 und 2006 wurde er in der Hall of Fame (in New York) als bester Trainer in den Kampfkünsten geehrt. 2010 gründete er seine eigene Kampfkunst und zwar das Wing Revolution, das eine Art Weiterentwicklung des Wing Tsun darstellt. Wenn jemand also weiß, wie man erfolgreich werden kann, dann ist es Sifu Victor Gutierrez.

In diesem Interview spricht Victor so offen wie nie zuvor über Erfolg, Durchsetzungsvermögen, Leidenschaft und Freundschaften.

Ich wünsche euch viel Spaß mit dem Interview.

1. Denken Sie bitte an die erste Situation zurück, in der Sie erfolgreich waren. Was kommt Ihnen als erstes in den Sinn?

Es war damals, als ich mit meinen Brüdern unsere erste Schule aufgemacht habe. Da habe ich das erste Mal das Gefühl gehabt, das es mir Spaß macht, den Leuten die ich kenne und liebe, etwas beizubringen.

Auch sie hatten Spaß daran, weil sie zu mir kamen um etwas zu lernen. Ich war damals 18 Jahre alt und wir verloren unseren Lehrer, der uns unterrichtete und dann blieb uns nichts anderes übrig, als unsere eigene Schule aufzumachen. Unsere ersten Schüler waren unsere Freunde, die auch heute noch dabei sind.

2 . Was ist Ihre Definition von Erfolg?

Glücklich ist man dann, wenn man etwas tut, was einem Spaß macht und damit seinen Lebensunterhalt verdienen kann. Es macht mich sehr glücklich wenn ich sehe, dass andere Leute glücklich werden. Das ist das, was mich am meisten glücklich macht.

Deshalb unterrichte ich und zwar so gut es geht, weil es mich glücklich macht. Ich bekomme auch viele Geschenke dafür. Dies ist natürlich schön, aber ich möchte viel lieber schenken. Das ist meine Art und Weise.

3. Haben Sie sich für Ihren Erfolg an anderen Erfolgsmenschen orientiert? Wenn ja, an welchen?

Ja, es war nicht nur ein Vorbild, es waren mehrere.

Mein erstes Vorbild in der Kampfkunst war vor allem Bruce Lee. Dann habe ich Großmeister Kernspecht kennengelernt. Ich lerne auch heut zu tage noch Menschen kennen, die mir als Vorbild dienen.

Ich habe damit noch nicht abgeschlossen. Vielleicht nicht in der Kampfkunst, aber diese Leute helfen mir, mich als Mensch besser zu machen. Mich selbst besser zu verstehen oder mir beibringen zu können, was ich normalerweise nicht kann und mit denen ich auch menschlich gut zurechtkomme. Es muss bei mir immer die Menschlichkeit stimmen. Ich bin kein erfolgreicher Mensch, der nur an sich und seinen Erfolg denkt, das gefällt mir nicht.

Für mich ist das Wichtigste, das die Menschen, die mit dir das Leben teilen, glücklich sind. Für mich sind die Schüler die ich habe, Menschen die mit mir das Leben und meine Leidenschaft teilen. Kampfkunst ist meine Leidenschaft, die Teil meines Lebens ist, aber nicht unbedingt nur Kampfkunst. Für mich ist eben auch die Leidenschaft für meine Familie oder für meine Freunde, ein Teil meines Lebens.

4. Welcher Gedanke motiviert Sie Ihr Ziel zu erreichen?

Es ist diese Leidenschaft, die ich eben erwähnte. Ich sehe etwas und übe es leidenschaftlich aus, weil es mir gefällt. Wenn ich irgendwann mal so etwas für mich entdeckt habe, dann ist es schwierig davon zurückzuweichen und es zu vernachlässigen, denn das würde mich unglücklich machen.

Am Beispiel der Kampfkunst gesehen, war Wing Tsun meine Leidenschaft. Ich habe dafür 30 Jahre meines Lebens gegeben. Aber wie ich sah, dass es viele Sachen gab, die nicht so leidenschaftlich gesehen, sondern nur unter geschäftlichen oder hinhalte Gründen betrachtet wurden, habe ich diese Leidenschaft für das Wing Tsun verloren.

Die Leidenschaft muss einfach da sein! Das ist es, was ich versuche in unserer Organisation rüber zu bringen. Und zwar mit genau der gleichen Leidenschaft und den gleichen Emotionen, mit denen wir damals am ersten Tag die Kampfkunst begonnen haben. Das ist es, was ich wirklich versuche bei allem umzusetzen.

Deshalb suche ich mir auch Leute aus, die dieselbe Leidenschaft haben. Die motiviere ich noch zusätzlich bzw. kümmere mich um sie, damit sie dieses Projekt Wing Revolution auch weiter tragen können, weil ich weiß, dass dieses Projekt nicht nur für mich ist. Sondern weil ich hoffe, dass es dann danach weiter lebt.

Nicht genauso wie ich es gemacht habe, weil ich auch weiß, dass das Leben so ist und das sich alles weiterentwickelt. Es wird irgendwann einmal Leute geben, die das weiterentwickeln, was ich ins Rollen gebracht habe. Aber ich will irgendwann einmal, als alter Mann im Sessel sitzen und sagen können:

„Schau mal, das habe ich in Gang gesetzt“.

Ich will nicht sagen, dass ich das geschafft habe. Weil das klingt dann zu sehr danach, dass Wing Revolution MEINS ist. Das ist es nicht, es gehört uns ALLEN.

5. Gibt es Personen, die Sie inspirieren? Wenn ja, welche sind dies?

Ja klar gibt’s das. Ich habe einige Freunde in Spanien, die nichts mit der Kampfkunst zu tun haben und die mich inspirieren. Und ich habe einige Schüler, die an und für sich, noch gar nicht so weit wie ich in der Kampfkunst sind, und trotzdem haben sie mich für dieses Projekt inspiriert. Sie haben mir gezeigt, dass ich in manchen Dingen auf dem falschen Weg war.

Auch wenn ich Leidenschaft hatte, hat diese mich auch ein Stück weit geblendet. Ich habe einfach hingehört, weil ich wusste, dass diese Menschen, wenn sie mir etwas sagten, das wirklich nicht aus irgendeinem Grund machten, um mir weh zu tun oder etwas zu kritisieren, sondern weil sie wirklich wollten, dass wir uns weiterentwickeln. Dies waren wirklich Freunde und Schüler. Ich versuche ihnen auch das Gefühl zu geben, dass sie etwas sagen können, wenn sie das Gefühl haben, das etwas nicht stimmt.

Respekt ist nicht nur wichtig vor den engsten Vertrauten, sondern vor jedem Menschen. Selbst ein Schüler, der vielleicht der größte Anfänger ist, kann etwas sagen, dass dich dazu bringt etwas zu verändern, weil er das aus einem anderen Blickwinkel sieht. Natürlich entwickle ich Wing Revolution mit vielen Fortgeschrittenen weiter, aber manchmal gibt es einen Fehler, den der Schüler von außen erkennt, den wir gar nicht mehr sehen.

Vic­tor Gutierrez

Vic­tor Gutierrez

6. Welche Voraussetzungen müssen Ihrer Meinung nach geschaffen sein, um ein erfolgreiches Leben zu führen?

Leidenschaft, Offenheit, Respekt, Disziplin, Durchhaltevermögen und Wille.

Man muss den Willen haben, immer weiter zu lernen und nie aufzugeben. Niemals aufgeben ist wirklich eine wichtige Sache. Wie oft hätte ich das Handtuch geschmissen, in der Wing Tsun Zeit oder in der jetzigen Zeit, in Momenten, die nicht so gut gelaufen sind. Wie zum Beispiel am Anfang, als ich so viel Kritik bekommen habe, von Leuten die einfach nur zerstören wollten.

Wenn du etwas veränderst, dann sehen sich manche Leute angegriffen. Ich bin nicht so, dass ich Menschen angreife, aber jeder hat seinen Grund. Ich weiß nicht welchen Grund sie hatten mich anzugreifen. Es gibt sehr effektive, gute Wing Tsun Leute.

Ich glaube aber, dass man das besser machen kann. Ich glaube aber auch, dass wenn sich diese guten Wing Tsun Leute wirklich zusammengeschlossen hätten, hätten sie das, was auch ich gemacht habe, auch geschaffen. Oder wir alle zusammen hätten das geschaffen, dann hätten wir viel mehr erreicht.

Dabei fällt mir noch die Kreativität ein. Für mich ist Kreativität etwas, dass du im inneren hast aber manchmal auch durch einen kleinen Impuls der von außen kommt, losgelöst wird. Kinder zum Beispiel, müssen Kreativität haben und man muss ihnen diese auch lassen.

Wir Erwachsenen müssen weiter unsere Kreativität haben und uns nicht auf unser alteingesessenes Wohlhaben ausruhen. Das ist ein Zeichen des Alters. Ich glaube, man altert schneller, wenn man anfängt seine Kreativität zu verlieren. Ohne deine Vorstellungskraft wirst du nur schwer Erfolg haben. Erfolg kann man in vielen Ebenen dieses Lebens haben.

Die einen haben es auf der einen Ebene, weil es ihre Leidenschaft ist und meine Leidenschaft ist die Kampfkunst, aus ganz bestimmten Gründen wie ich gelebt habe.

7. Welche Dinge würden Sie für persönlichen Erfolg opfern?

Menschen die nicht an mich glauben. Ich würde diese Menschen aber nicht als Opfer bezeichnen. Ich sehe diese Menschen eher als Hürde, die dir jemand in den Weg gestellt hat und die du überspringen musst.

Wer dich in irgendetwas aufhält, weil er dich nicht liebt, weil er dich nicht mag oder weil er nicht will, dass du Erfolg hast, der verhindert, dass du dein Leben wirklich lebst. Wenn du deine Träume und dein Ziele aufgibst, fängst du danach an zu sterben.

8. Haben Sie Angst, einmal nicht erfolgreich zu sein?

Klar, wer keine Ängste hat, ist in dieser Beziehung ziemlich naiv. Ich habe Ängste gehabt. Ich bin mit 24 von Deutschland nach Spanien zurückgezogen. Ich hatte keine Ahnung, wie ich das angehen sollte.

9. Wie gehen Sie mit Ängsten um, die im Bezug zum Erfolg stehen?

Das ist das Durchhaltevermögen, was ich eben gesagt habe. Das heißt, wenn du Angst hast musst du trotzdem noch weiterhin durchzuziehen. Immer durchziehen. Sicherlich hatte ich oft Angst gehabt und sicherlich habe ich oft darüber nachgedacht, was mir manch andere gesagt haben.

Die Ängste sind insbesondere dann gekommen, wenn es eben nicht so gelaufen ist. Dann kam aber bei mir immer wieder der Gedanke durch: JETZT ERST RECHT! ...jetzt erst recht...und nochmal...jetzt erst recht! Egal wie schwer es ist, jetzt müssen wir da durch.

10. Wie gehen Sie mit Niederlagen um?

Niederlagen sind meiner Meinung nach der erste Schritt zum Erfolg.

11. Wie können Sie sich in schweren Zeiten motivieren?

Durch diejenigen, die ich in dieser Zeit an meiner Seite hatte und positiv waren. Auf die habe ich mich konzentriert. Meine Frau, ein paar Freunde, Schüler und meine Familie. Sogar einige meiner Brüder, die daran gezweifelt haben. Und heutzutage sind sie da und arbeiten mit mir.

Derjenige, der daran gezweifelt hat, ist jetzt einer, der mich mit am stärksten unterstützt, obwohl er am Anfang sagte: „Oh was machst du da?“. Das sagten mir damals viele, als der Wechsel vom Wing Tsun zum Wing Fight geschah. Vielleicht hatten sie damals Angst. Das ist auch etwas ganz normales.

Wenn ich Menschen sehe, die sich aus irgendwelchen Gründen zurückziehen, kann ich sie verstehen. Eine Niederlage ist der erste Schritt zum Erfolg. Niemand, der je eine Niederlage erlebt hat weiß, was er falsch gemacht hat und demnächst besser machen sollte.

12. Welche Erfahrung/en hat/haben Sie in Ihrem Leben so geprägt, dass Sie unbedingt erfolgreich sein wollten?

Meine schwerste Erfahrung die ich gemacht habe, die mich geprägt hat Kampfkunst zu betreiben und die mich so geprägt hat, wie ich heute bin ist, war wie ich damals nach Deutschland kam. Ich hatte viele Probleme mit den Deutschen und hatte sie sogar gehasst. Heute sehe ich das aus der Ferne und sage, es war damals normal.

Ich kam aus einem Dorf in Spanien vor ungefähr 40 Jahren nach Deutschland. Dort in Spanien gab es noch kein fließendes Wasser zu Hause, keine Autos, keine asphaltierten Straßen, gar nichts. Da war Deutschland damals natürlich schon voll entwickelt. Das war ein absoluter Kulturschock und dieser Kulturschock hat mich stark geprägt. Ich konnte kein Deutsch und verstand kein Wort. Ich verstand die Vorgehensweise der Deutschen und deren Mentalität nicht.

Meine Eltern suchten sich damals Arbeit, um uns ein besseres Leben zu geben. Ich habe zwar gelernt damit zu leben, aber es prägt dich. Ich habe dadurch gelernt mich durchzusetzen. Meine Eltern konnten mir leider nicht helfen, da sie so beschäftigt waren zu arbeiten und ihre 5 Kinder hochzuziehen.

Damals war es das Wichtigste zu überleben, dass immer etwas zu Essen zu Hause ist und immer genug Geld da ist, um die Kinder durch zu bringen. Dann hatten sie oft keine Zeit und wir mussten uns selbst durchboxen. Und ich war derjenige, der in meiner Familie am meisten Willen gehabt hat. Ich habe die anderen praktisch unter mir geschützt. Ich war der Zweitälteste. Das war glaube ich die Situation, in der ich das Durchsetzungsvermögen gelernt habe.

13. Welchen Tipp würden Sie Menschen mit auf den Weg geben, die erfolgreich sein wollen?

Horch in dich hinein und frage dich:

Was gefällt dir wirklich?

Suche nach Möglichkeiten das durchzusetzen. Denn wenn du das herausfindest, wirst du alles tun um es durchzusetzen. Tue alles und lasse dich nirgendswo aufhalten!

Ich sage das meinem Sohn zum Beispiel oft: „Wenn du in der Schule nicht so viel Spaß und Erfolg hast, weiß ich, dass du irgendwann einmal, wenn dir wirklich etwas gefällt, alles tun wirst um es hinzubekommen. Dir gefällt Mathe nicht, dann kann ich dich noch so oft bestrafen. Aber wenn es dir nicht gefällt, dann wirst du nicht alles tun, um es richtig zu machen. Du wirst das nötigste tun und das ist es, was ich von dir verlange. Das du in diesen Sachen das nötigste tust. Aber wenn du irgendwann einmal feststellst, dass dir wirklich etwas gefällt, dann bleib DRAN! GLAUBE daran und ziehe es durch!“.

14. Welches ist Ihr größtes Erfolgsgeheimnis?

Offen zu sein und keine Angst vor Kritik zu haben. Viele haben Angst vor der Kritik, deswegen sind sie nicht offen und hören den Leuten nicht zu. Ein Schüler von mir, der den vierten Schülergrad hatte, hat mir geholfen, dass ich mein Wing Fight selbst verstehe. Der hatte Kritik, ganz starke Kritik. Ganz viele wollten ihn praktisch lynchen. Nur ich war offen für die Kritik.

Es ist wie beim Training. Viele Leute trainieren mit den Menschen, bei denen es funktioniert. Bei denen es aber nicht funktioniert, die meiden sie. Ich habe mir immer die gesucht, bei denen es nicht funktioniert hat, bis es dann funktioniert hat. Wir sind bequem und wollen Dingen aus dem Weg gehen.

Aber die Probleme sind immer noch da. Wenn du lernst damit umzugehen und diese zu besiegen, die in dir drin sind, dann bist du erfolgreich. Was aber nicht heißt, dass du sie immer kontrollieren kannst. Du weißt, dass sie da sind, also lerne damit umzugehen.

Inter­na­tio­na­ler Lehr­gang — Wing Revolution

Inter­na­tio­na­ler Lehr­gang — Wing Revolution

Vielen Dank Victor

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